Pfarrkirche Ohlsdorf

Innenraum und Ausstattung

Das Presbyterium (Altarraum) besitzt zweieinhalb Joche, ist mit einem Netzrippengewölbe und abgetreppten Streben ausgestattet und hat hinter dem Altar einen Fünfachtelschluss.

Ein mächtiger Triumphbogen stellt die Verbindung zum Langhaus her. Dieses ist eine zweischiffige, gotische Halle (Zweisäulenraum) mit dreieinhalb Jochen vom
Triumphbogen bis zur Westwand über der Empore. Die eineinhalb Joche nach dem Triumphbogen sind mit sechsstrahligen Sternen gewölbt, das mittlere Joch verbreitert (in den Abschlusssteinen Wappen). Die zwei breiteren Westjoche besitzen ein Netzrippengewölbe (Zweiparallelrippen). Zwei Achtecksäulen tragen dieses hohe Netzrippengewälbe, gliedern damit den Innenraum zur Zweischiffigkeit und gestalten einen offenen, breiten Innenraum von wundervoller Architektur. Die vierachsige, zweijochige und dreimal gebrochene Westemporte ruht ebenfalls auf einem Sternrippengewölbe. Die Eingänge im Norden und Süden besitzen auch netzrippengewölbte Vorhallen.
Der Typus der Ohlsdorfer Kirche gehört zu den spätgotischen Bauten, bei denen einheimischen, bodenständiges Bauen mit dem bayrischen Sechseck-Kirchenbau (Stilelemente des Burghausener-Salzburger Bereiches) eine Synthese darstellen. Die so genannte Bauhütte im Attergau (Vöcklabruck?), der wahrscheinlich auch der hier in Ohlsdorf geborene Meister Hans von Aichlham angehörte, schuf viele solche spätgotischen Kirchen in der näheren und weiteren Umgebung (Laakirchen, Schöndorf, Desselbrunn, Rüstdorf, Pinsdorf, Regau).
Ausstattung
Von der spätgotischen Inneneinrichtung, also den Altären, Bildtafeln und Figuren blieb in der Kirche selbst nicht erhalten. Aus der hier im Salzkammergut beheimateten Bildhauerwerkstatt des Lienhart Astl gibt es dort und da noch Figuren, wie z.B. im nahen Aurachkirchen die spätgotische Gruppe der hl. Anna Selbdritt sowie Statuen der hl. Barbara und Katharina. Möglicherweise waren diese einmal in der Kirche Ohlsdorf aufgestellt, bevor sie der jetzigen barocken Ausstattung weichen mussten. Aus der Bauzeit der Kirche ist nur noch die alte Eichentür zur unteren Turmkammer erhalten, von der aus früher die Glocken geläutet wurden.

Das Gnadenbild am Hochaltar
Mit der Gegenreformation und der religiösen Erneuerung im 17. Jh. brach eine neue Stilrichtung an, das Barock, und damit eine starke Marienverehrung, die hier in Ohlsdorf schon 1663 sehr intensiv gewesen ist. Hauptsächlichste Wallfahrtsmotive waren Kindsnöte und Kindersegen. Das Wichtigste dieser Marienverehrung war allerdings das Gnadenbild. In Ohlsdorf sehen wir im Mittelpunkt des Hochaltares ein Gemälde der schwangeren Gottesmutter, der „Maria Gravida“. Weltweit sind nur wenige solcher Gnadenbilder bekannt. Dieses unser Gnadenbild wurde 1657 von einem Meister „C. M. Doognhart“ geschaffen. Christian Degenhart (um 1611 – 1676) ist als Garstener Klostermaler bekannt gewesen. Das prachtvoll mit Engeln und Strahlen umrandete Gnadenbild gehört in die Gruppe jener barocken Darstellungen Mariens, bei denen sie auf einer mächtigen Erdkugel steht und mit dem linken Fuß der Paradiesschlange den Kopf zerdrückt. Das Haupt Mariens ist mit einem Sternenkranz umgeben. Darüber befindet sich ein regenbogenähnliches Spruchband mit dem Text: „Und das Wort ist Fleisch Worden“ und die Geisttaube mit trinitarischem Dreieck. Engel in Wolken schweben um Maria. Mariens Mantel ist mit Rosenblüten besetzt. Wurde früher die Kirche – bis in die erste Hälfte des 19. Jh. herein – von Wallfahrern aus ganz Oberösterreich besucht, so ist sie heute als Wallfahrtskirche nur mehr von lokaler Bedeutung.

 

Der Hochaltar
„Maria, umgeben vom Chor der Engel“

Im schönen Barockwerkstil 1680/90 von einem uns bisher unbekannten Meister gefertigt, steht der dreigeschossige Hochaltar mit Säulenarchitektur etwas abgesetzt vor der Ostwand des Presbyteriums. Die Breite gestattet noch einen vollen Lichteinfall durch die beiden Chorfenster (neu aus 1905: links Mariä Verkündigung und rechts die Geburt Christi). Über dem Altartisch mit aufgesetztem Tabernakel, auf dem zwei Engel schweben, gibt der ovale Durchbruch, eingefaßt mit einem Strahlenkranz und vielen Engeln, den Blick frei auf das dahinter liegende Gnadenbild.

Zur Linken, außerhalb der Säule, befindet sich der überlebensgroße Nikolaus mit Bischofsstab, Buch und drei Kugeln (Symbol für die heilige Dreifaltigkeit), der Schutzpatron der alten Schiffer und Traunflößer, und zur Rechten der hl. Ulrich mit Bischofsstab, Buch und Fisch. Im zweiten Geschoss befindet sich innerhalb der Säulen das Bild des Kirchenpatrons, des hl. Martin, als Bischof dargestellt. Beiderseits weisen die Erzengel Gabriel mit Lilie (links) und Raphael mit Wanderstab (rechts) mit ihrer Handbewegung zur Gnadenmutter.

Über der heiligen Dreifaltigkeit (trinitarisches Dreieck) im dritten Geschoss krönt als dritter Erzengel Michael mit Schwert und der Waage der Gerechtigkeit den Gnadenaltar.
70 Engelsfiguren unterstreichen beeindruckend die eigentliche Symbolik des Hochaltars: „Maria, umgeben vom Chor der Engel“.

Der Nothelferaltar  (linker Seitenaltar)

Am Altartisch befindet sich der hl. Florian, umgeben von zwei Engeln, von denen der linke, abweichend von den üblichen Darstellungen, mit dem Wasserkübel das Feuer löscht.
Im Zentrum des ersten Geschoßes beherrscht das Bild der vierzehn Nothelfer mit den Statuen des hl. Petrus (li.) und des hl. Paulus (re.) den Altaraufbau. Im zweiten Geschoss befindet sich heute das Bild der Heiligen Familie. Ursprünglich war hier eine Darstellung der Flucht nach Ägypten, über die der Erzengel Raphael als Wegbegleiter und Schutzengel wachte. In seiner Obhut befindet sich jetzt nur mehr der junge Tobias.

 

 

Der Nepomukaltar  (rechter Seitenaltar)
Das Nepomukbild im Hauptgeschoß wird flankiert von den Pestheiligen Rochus (li.) und Sebastian (re.).

Im Obergeschoss gestalten die Statuen des hl. Augustinus mit Buch und Herz (in der Mitte), der Märtyrerinnen Katharina (li.) und Barbara (re.) und zuoberst des hl. Nikolaus den achitektonischen Aufbau des Altares.

 

Der Kreuzweg
Die vierzehn neugotischen Kreuzwegstationsbilder
von 1874 zieren nach ihrer Restaurierung seit 1986
wieder die Seitenwände des Langhauses.

 

Die Kanzel
Diese stellt ein weiteres Schmuckstück der barocken Innenausstattung dar. Am Kanzelbecher ist wiederum das durchgehende Gestaltungselement der Säulenarchitektur erkennbar. Diese gliedert die Kanzel derart, dass in den vier Nischen die Evangelistenfiguren mit ihren Symbolen (Matthäus mit Engel, Markus mit Löwen, Lukas mit Stier und Johannes mit Adler), in wunderbarer Bewegtheit dargestellt, Platz finden. So wie diese das Wort Gottes uns überliefert haben, soll auch von hier aus das Wort des Herrn durch ihre Nachfolger den Menschen verkündet werden. Der Kanzeldeckel (Schalldach) wird gekrönt vom Kirchenpatron, dem hl. Martin, dargestellt als Soldat, der den Mantel teilt.

 

Die Orgel
Für das kirchenmusikalische Geschehen erwarb die Pfarre 1981 eine neue Orgel, die heute nicht nur zur Kirchenchorbegleitung und dem Kirchengesang dient, sondern von namhaften Künstlern auch als ein ausgezeichnetes Soloinstrument bei den Ohlsdorfer Kirchenmusikkonzerten gespielt wird.

 

 

Das Geläute
Das alte, 1941 eingezogene Geläute wurde im Jahre 1950 durch neue Glocken ersetzt. Diese wurden auf Namen geweiht, die für Ohlsdorf besonders symbolhaft sind:
Martinsglocke in Es (Kirchenpatron)
Marienglocke in G (Wallfahrtswesen)
Josefsglocke in B (Arbeitnehmer)
Leonhardglocke in C (Bauernstand)
Michael- und Barbaraglocke in Es (Sterbeglocke)
Das Geläute wiegt 3 Tonnen, wobei die größte Glocke, die Martinsglocke, 1394 kg und die Sterbeglocke 165 kg wiegt.

Weitere Kircheneinrichtung

Erwähnenswert ist noch ein schmiedeeiserner Glockenzug neben der Sakristeipforte, der vielleicht mit der Gründung der Pfarrexpositur 1778 angeschafft wurde.
Die schöne Ampel für das ewige Licht im Altarraum (ca. 1760) ist aus Messing gefertigt und versilbert.
Unter der Westempore verdient ein schönes Kruzifix (um 1820) Beachtung, welches in der Fastenzeit vor dem verhängten Gnadenbild am Hochaltar aufgestellt wird. Daneben steht eine Statue des beliebten Volksheiligen Antonius von Padua (ca. 1900).
Das Abendmahlsbild im Neubau ist in die Jahre 1775 – 1800 zu datieren.